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Simson S 50
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Das Kleinkraftrad Simson S 50 ist ein vom VEB Fahrzeug- und Jagdwaffenwerk „Ernst ThĂ€lmann“ unter dem Markennamen Simson zwischen 1975 und 1980 hergestelltes Zweirad.

Das Fahrzeug darf (mit Ausnahme von Re-Importen) in Deutschland trotz der zulĂ€ssigen Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h als Kleinkraftrad mit einem Versicherungskennzeichen zulassungsfrei und in allen BundeslĂ€ndern bereits mit 15 Jahren gefahren werden (FĂŒhrerscheinklasse AM).

Contents

‱ Technik
‱ Motor
‱ Elektrik
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Fahrzeuggeschichte

Das S 50 war ein gĂ€nzlich neu konstruiertes Kleinkraftrad und löste die bisherigen Vogelserie-Modelle Star und Habicht ab. Einen Entwurf des S 50 mit dessen wesentlichen Merkmalen und Optik gab es bereits 1967, als Karl Clauss Dietel und Lutz Rudolph das „Offene Prinzip“ erdachten. Gemeint war damit ein Konzept, das Änderungen je nach Erkenntnis- und Entwicklungsstand ohne Aufgabe der Grundkonzeption ermöglichte.cite-ref-1[1] Die offizielle PrĂ€sentation erfolgte auf der Leipziger Herbstmesse 1974. Die Serienfertigung begann jedoch erst im Februar 1975.cite-ref-kft75messenbericht-2-0[2] Zielstellung war es, ĂŒber die Funktion als Verkehrsmittel hinausgehend auch der zunehmenden Bedeutung von KleinkraftrĂ€dern fĂŒr Freizeitgestaltung und sportliche AktivitĂ€ten gerecht zu werden.cite-ref-kft74-3-0[3] Dies schlug sich in der auf Motorradoptik orientierten Gestaltung nieder, und die Auswahl zwischen fĂŒnf verschiedenen Lackierungen und alsbald drei verschiedenen Ausstattungsvarianten erfĂŒllte individuelle WĂŒnsche besser als die bisherigen, in nur einer Variante erhĂ€ltlichen Typen. Neu waren auch Rahmen, Fahrwerk und Motor und entsprachen dem sportlicheren Charakter. Allerdings stellte die ausschließliche Ausstattung mit einem 3-Gang-Getriebe verglichen mit dem bisherigen Habicht einen RĂŒckschritt dar. AnlĂ€sslich der Leipziger FrĂŒhjahrsmesse 1978 wurden S 50 N, S. 50 B1 und S 50 B2 mit der Auszeichnung Gutes Design bedacht.cite-ref-4[4] Das S 50 zĂ€hlte neben dem Multicar 25 zu den wenigen Kraftfahrzeugen der DDR, die das höchste GĂŒtezeichen Q erlangten, es wurde im Dezember 1975 verliehen.cite-ref-5[5]

Die Fahrzeuge wurden von der DDR auch in verschiedene, meist sozialistische oder EntwicklungslĂ€nder exportiert. In Westdeutschland wurde es hingegen nicht angeboten. Das S 50 war in der DDR steuerfrei und durfte ohne Kennzeichen benutzt werden. Es fiel lediglich ein Haftpflichtbeitrag von 8,50 DDR-Mark pro Jahr an. Auch wegen seines fĂŒr damalige VerhĂ€ltnisse sportlichen, modernen Aussehens war das S 50 besonders bei den Jugendlichen in der DDR beliebt und begehrt. Im Vergleich zur ebenfalls verbreiteten Jawa Mustang wies das S 50 eine Reihe von VorzĂŒgen auf, weshalb der Import der Jawa-KleinkraftrĂ€der nach Erscheinen des S 50 beendet wurde.

Im FrĂŒhjahr 1978 erhielt das S 50 einen neu geformten Tank, der aufgrund seiner Form im Volksmund Bananentank genannt wurde. Optisch sollte damit das „Loch“ zwischen Tank und Motor besser geschlossen und die Linie gestreckt werden. Bis Anfang 1978 gab es eine Anzahl weiterer Änderungen im Detail, unter anderem VerstĂ€rkungen am Fahrwerk und eine geĂ€nderte Telegabel zur Verbesserung ihrer Dichtheit.cite-ref-6[6] Im MĂ€rz 1979 wurden Blinker und Telegabel noch einmal etwas verĂ€ndert.cite-ref-kftnov79-7-0[7] 1980 wurde das S 50 vom S 51 abgelöst. Insgesamt wurden 580 700 StĂŒck vom Typ S 50 gebaut.

Das Konzept des S 50 wurde noch weit ĂŒber dessen Bauzeit hinaus bis zur Werksschließung von Simson im Jahr 2002 angewendet, zuletzt in Gestalt des S 53.

Aufbauend auf dem Serien-S 50 gab es Ende der 1970er Jahre auch Versuche mit 100 cm³ und zwei Zylindern. Da man aber bereits MZ-MotorrÀder baute, wurden diese Entwicklungen nie in Serie gebaut.

AusfĂŒhrungen

Generell unterschied man zwischen den Varianten S 50 N, S 50 B, S 50 B1 und S 50 B2.

Das S 50 N lief ab Mitte 1975 vom Band.cite-ref-kft75messenbericht-2-1[2] Es wurde ausschließlich in Blau und mit grauen Plaste-HĂŒlsen an den hinteren Federbeinen angebotencite-ref-8[8] und hatte eine schlichte elektrische Anlage (ohne Blinker, kein ZĂŒndschloss, nur innenliegende ZĂŒndspule). Ein Bleiakku fehlte beim S 50 N ebenfalls, es gab lediglich eine Halterung fĂŒr vier Monozellen fĂŒr die Hupe, da die Lichtmaschine nur Wechselstrom lieferte. Eine elektrische Besonderheit war zudem, dass beim S 50 N das RĂŒcklicht und die Tachobeleuchtung ĂŒber die Lichtspule fĂŒr den Scheinwerfer in Parallelschaltung mitversorgt wurden, eine Drossel gab es demzufolge nicht. Deshalb konnten RĂŒcklicht und Tachobeleuchtung bei diesem Typ recht schnell durchbrennen, etwa bei locker sitzender Bilux-Lampe im Scheinwerfer oder einem defekten Schleppkontakt im Abblendschalter.cite-ref-ichfahrekleinkraftrad86-9-0[9] Die Soziusfußrasten wurden direkt an der Schwinge befestigt.cite-ref-kft75messenbericht-2-2[2] Somit war das S 50 N etwas leichter. Es war als wenig AnsprĂŒche an die Wartung stellendes Fahrzeug vor allem fĂŒr den Einsatz in Gegenden mit geringem Verkehrsaufkommen (Land- und Forstwirtschaft) konzipiert.

Das S 50 B ging als erstes Modell im Februar 1975 in Serie.cite-ref-kft75messenbericht-2-3[2] Es besaß unter anderem ein ZĂŒndschloss sowie eine 4-Leuchten-Blinkanlage, fĂŒr deren Betrieb ein Bleiakku 6 V / 12 Ah und eine Ladeeinrichtung vorhanden waren. Im Januar 1976 wurde das B-Modell durch das Modell B1 ersetzt. Das S 50 B1 hatte, neben den Einrichtungen des S 50 B, ein Standlicht, eine Lichthupe, 25-W/25-W-Fahrlicht und eine außenliegende ZĂŒndspule. Der Lichtaustrittsdurchmesser des Scheinwerfers vergrĂ¶ĂŸerte sich geringfĂŒgig von 130 auf 136 mm, vor allem aber verbesserte sich die Lichtausbeute durch geĂ€nderte Streuscheibe und Reflektor.cite-ref-kft75messenbericht-2-4[2] Auf der Leipziger Herbstmesse 1976 wurde schließlich das S 50 B2 vorgestellt, das anstatt des verschleißanfĂ€lligen Unterbrechers eine innovative wartungsfreie HochspannungskondensatorzĂŒndung, entwickelt vom VEB Fahrzeugelektrik Karl-Marx-Stadt, und einen 6-V-35-/35-Watt-Scheinwerfer hatte. Die Jawa Babetta gab es bereits zuvor mit einer kontaktlosen ZĂŒndung, dabei handelte es sich aber um eine TransistorzĂŒndung. Äußerlich unterschied sich das Modell B2 vom Modell B1 lediglich durch grafische Details an den Seitendeckeln und dem rechten MotorgehĂ€usedeckel mit dem Schriftzug „electronic“.cite-ref-10[10]

Die S 50-B-Typen hatten verchromte FederbeinhĂŒlsen am Hinterrad und wurden in den Farben schwefelgelb (damalige Bezeichnung: rapsgelb), kirschrot, saharabraun oder saftgrĂŒn ausgeliefert. Mit Ausnahme des Rapsgelbs wurden die S 50-Farben auch spĂ€ter an den S 51-Modellen verwendet.

Technik

Rahmen und Fahrwerk

Zu den markantesten Neuerungen zĂ€hlte die Verwendung einer (ungedĂ€mpften) Teleskopgabel mit 130 mm Federweg anstatt einer Schwinge am Vorderrad. Am Hinterrad blieb es bei der vom Habicht bekannten Schwingenkonstruktion mit hydraulisch gedĂ€mpften Federbeinen von 85 mm Federweg. Der neue, stets schwarz lackierte Rahmen unterstrich den Fokus auf gute Reparaturmöglichkeiten: Er gliederte sich in einen Haupt- und Hinterrahmen, die miteinander verschraubt waren, ebenso wie die FußrastentrĂ€ger und die AuspuffaufhĂ€ngung. Nachdem bereits ab 1965 bei den Rahmen der bisherigen Vogelserie Erfahrungen mit Schweißautomaten in der Produktion gesammelt wurden, waren nun am S 50-Rahmen Lage und Form der anzuschweißenden Teile so gewĂ€hlt, dass der Schweißprozess in der Produktion innerhalb von 1,5 min möglich war.cite-ref-11[11] Die vorn wie hinten identischen LaufrĂ€der wurden mitsamt der Bremstrommeln unverĂ€ndert von den VorgĂ€ngertypen ĂŒbernommen, sodass sich ein ausgesprochen hohes Maß an Standardisierung und somit auch Reparaturfreundlichkeit ergab. DDR-typisch wurde die Kette auch am S 50 nach MZ-Patent gekapselt. Die BetĂ€tigung der Hinterradbremse erfolgte anders als bisher mit GestĂ€nge ohne Seilzug. Die Schutzbleche waren weniger voluminös als bei den VorgĂ€ngermodellen und stets silbergrau lackiert. Die Sitzhöhe konnte verglichen mit dem Habicht um 5 cm verringert werden, was eine sportlichere Fahrweise gestattete.cite-ref-kft74-3-1[3] Der neu geformte Tank fasste 9,5 l Kraftstoff, dieser wurde 1978 durch einen anders geformten Tank mit 8,7 l Fassungsvermögen ersetzt. Eine deutliche, sportliche VerĂ€nderung ergab sich durch den halbhohen, verstellbaren Rohrlenker und den leichtgĂ€ngigen, funktionssicheren Wickelgasgriff, bei dem der Drehgriff direkt mit dem Seilzug verbunden war. Beim Innenzugdrehgriff der VorgĂ€ngertypen hingegen bewegte sich durch eine Spirale im Drehgriff ein Aluminiumschieber in einer AusfrĂ€sung des Lenkers, der mit dem Seilzug verbunden war. Diese Gasgriffe erforderten regelmĂ€ĂŸige Wartung und neigten zur SchwergĂ€ngigkeit. Hinter den Seitendeckeln im Rahmendreieck des S 50 befand sich auf der rechten Seite ein AnsauggerĂ€uschdĂ€mpfer mit dem Nassluftfilter. Auf der linken Seite waren abschließbar der Bleiakkumulator, das ZĂŒndschloss, Ladeanlage, Sicherung und Bordwerkzeug bzw. kleine Ersatzteile untergebracht.

Motor

Der vollgasfeste Motor des S 50 wurde aus dem in der Schwalbe und dem Star verwendeten 50-cmÂł-Zweitaktmotor entwickelt, der die Bezeichnung M53/1 KF (KF= Kickstarter & Fußschaltung) trĂ€gt. Der Motorblock bestand aus Leichtmetall. Der Zweikanal-Leichtmetallzylinder mit eingeschrumpften Laufbuchsen kam ohne Zylinderkopfdichtung aus. UnverĂ€ndert blieb auch das klauengeschaltete 3-Gang-Getriebe, der schrĂ€gverzahnte PrimĂ€rtrieb und die Kupplung.

Die Weiterentwicklung fĂŒr das S 50 erhielt die Bezeichnung M53/2 KF und unterschied sich hauptsĂ€chlich durch die FahrtwindkĂŒhlung, die elastische MotoraufhĂ€ngung und das obere nadelgelagerte Pleuellager, das trotz der damals mĂ€ĂŸigen ÖlqualitĂ€t die Verwendung von einem Öl-Benzingemisch von 1:50 gestattete (gegenwĂ€rtig verfĂŒgbare, hochwertige Öle lassen eine weitere Absenkung des Ölanteils zu). Der BVF-Vergaser wurde im Detail verĂ€ndert und trug nun die Bezeichnung 16 N1-8. Dabei wurden im Teillastbereich wesentlich gĂŒnstigere Lambda-Werte als bisher erreicht, sodass sich bei konstant 50 km/h eine Einsparung von fast 1 l/100 km ergab.cite-ref-kft74-3-2[3] Der Auspuff wurde auf die rechte Fahrzeugseite verlegt.

Den Entwicklungsschwerpunkt am bisherigen Motor M53/1 sah Simson in einer Optimierung des Energiedichteverlaufs, um ein sehr elastisches Fahrverhalten zu erreichen. Die beste Möglichkeit dafĂŒr wurde seitens der Konstrukteure in einer VerlĂ€ngerung des Saugrohrs zwischen Vergaser und Zylinder gesehen, dies ließ sich baulich am Kleinkraftrad jedoch nicht weiter ausreizen. Stattdessen wurden das mit dem Vergaser direkt in Verbindung stehende Volumen des Ansaugsystems mit dem S 50 auf betrĂ€chtliche 1,0 Liter vergrĂ¶ĂŸert und die Einlasssteuerzeiten angepasst. Zusammen mit einer leichten Anpassung der Auspuffanlage konnte mit dem Motor M53/2 KF des S 50 auf diese Weise eine Verbesserung des Energiedichteverlaufs erreicht werden.cite-ref-12[12] Das maximale Drehmoment vergrĂ¶ĂŸerte sich auf 5,0 Nm und lag nun bereits bei 4800 statt bisher 5000/min an. Die Maximalleistung vergrĂ¶ĂŸerte sich dabei geringfĂŒgig von 3,4 auf 3,6 PS und wurde bereits bei 5500 statt bisher 5750/min erreicht. Zwar fiel die Motorkennlinie oberhalb der Maximalleistung etwas stĂ€rker ab als beim M53/1, doch wie bei diesem standen bei 7000/min immer noch 3,2 PS zur VerfĂŒgung, wobei das S 50 etwa 60 km/h schnell fuhr.cite-ref-kft74-3-3[3] Unter gĂŒnstigen Bedingungen ließ sich durch weiteres Überdrehen des Motors eine noch grĂ¶ĂŸere Geschwindigkeit erreichen. Die verbesserten Werte ginge zum Teil auch auf das entfallene GeblĂ€se zurĂŒck.

Der Motor war fĂŒr eine Grenznutzungsdauer von 25 000 km ausgelegt. Verschlissene Zylinderlaufbuchsen (Durchmesser im Neuzustand: 40,0 mm) konnten in 0,25-mm-Schritten bis zu sechs Mal ausgeschliffen und, mit einem dazu passenden, neuen Kolben gepaart, wieder eingesetzt werden – ein hervorragendes Beispiel der Materialökonomie. Auch Kurbelwellen, Bremsbacken und sogar ZĂŒndkerzen wurden regeneriert.

Elektrik

Wie die bisherigen Modelle auch, hatte das S 50 grundsĂ€tzlich MagnetzĂŒndung, weshalb sich das S 50 unabhĂ€ngig vom Ladezustand der Batterie starten und fahren lĂ€sst. Auch Scheinwerfer, RĂŒcklicht und Bremslicht werden unabhĂ€ngig von der Batterie versorgt, deshalb wird die Lichtmaschine als SchwunglichtmagnetzĂŒnder bezeichnet. Die Grundplatte trĂ€gt bei allen S 50-Modellen drei Spulen, die von einem direkt auf der Kurbelwelle befestigten Polrad mit sechs Permanentmagneten umkreist werden. Eine Spule speist die ZĂŒndung, eine weitere nur den Scheinwerfer. Die dritte versorgt das Bremslicht, und wenn dieses nicht leuchtet, das RĂŒcklicht, die Tachometerbeleuchtung und die Batterie (außer beim S 50 N). Davon abgesehen, wurden beim S 50 drei unterschiedliche Varianten dieser Anlage verwendet:

SLMZ, SLPZ und SLEZ

Die als SchwunglichtmagnetzĂŒndung im engeren Sinne (SLMZ) bezeichnete Variante wurde an ursprĂŒnglichen S 50 B und generell am S 50 N verwendet. Sie entsprach jener des VorgĂ€ngermodells Star mit Unterbrecher und 15/15 W Scheinwerferleistung. Sie zeichnete sich dadurch aus, dass die ZĂŒndspule direkt auf der Grundplatte saß, also innenliegend angeordnet war. Diese Variante war zwar material- und platzsparend, doch Lichtspulen mit grĂ¶ĂŸerer Leistung ließen sich aufgrund ihres Platzbedarfs so nicht umsetzen.cite-ref-kft75messenbericht-2-5[2] Deshalb erhielt das S 50 B1 einen sogenannten SchwunglichtprimĂ€rzĂŒnder (SLPZ), wie er zuvor auch schon am Habicht und der Schwalbe S eingebaut wurde. Auf der Grundplatte befand sich anstatt der ZĂŒndspule nur noch eine kleine PrimĂ€rspule, die eine außenliegende, unter dem Tank angeordnete ZĂŒndspule mit Strom versorgte. Dadurch konnte der benötigte Platz fĂŒr die grĂ¶ĂŸeren Lichtspulen geschaffen werden, Ergebnis war eine auf 25/25 W vergrĂ¶ĂŸerte Scheinwerferleistung. Die Verlegung der ZĂŒndspule nach außen verringerte auch ihre thermische Belastung, und die bisher tiefliegende HochspannungsdurchfĂŒhrung bot eine gewisse StöranfĂ€lligkeit insbesondere bei NĂ€sse, die nun verringert war. Eine Besonderheit der SLPZ-Anlage war die Verwendung einer 12-Volt-ZĂŒndspule (baugleich mit der im Wartburg 353 verwendeten),cite-ref-kftnov79-7-1[7] alle anderen AusfĂŒhrungen des S 50 hatten eine 6-Volt-ZĂŒndspule.

Bei der SchwunglichtelektronikzĂŒndung (SLEZ) saß anstelle der PrimĂ€rspule eine Ladespule fĂŒr den ZĂŒndkondensator auf der Grundplatte. Diese Variante war ab 1976 im Modell B2 erhĂ€ltlich und arbeite kontaktlos ohne mechanischen Unterbrecher und somit wartungs- und verschleißfrei. Es handelte sich um eine damals innovative HochspannungskondensatorzĂŒndung (HKZ), die vom VEB Fahrzeugelektrik Karl-Marx-Stadt unter Mitwirkung des VEB Halbleiterwerk Frankfurt (Oder) entwickelt wurde und damals im Ostblock eine Besonderheit war. Lediglich der Tatra 613 war mit einer vergleichbaren ZĂŒndanlage ausgestattet. Konstruktiv wurde dabei eine maximale Standardisierung erreicht, nicht einmal die Abmessungen des an den Magneten verĂ€nderten Polrads waren anders, sodass das MotorgehĂ€use und viele andere Teile kompatibel mit den anderen Simson-Modellen blieben. Im ZĂŒndzeitpunkt löst eine LĂŒcke im Polrad einen Steuerimpuls im Steuergeber aus, der sich anstelle des Unterbrechers auf der Grundplatte befindet. Der Impuls bewirkt ĂŒber ein Steuerteil die Entladung eines Kondensators, der zusammen mit den Steuerelementen zu einem Kunststoffkasten vergossen im Seitendeckels auf der rechten Fahrzeugseite installiert ist. Die Entladung des Kondensators wiederum erzeugt ĂŒber die PrimĂ€rwicklung der ZĂŒndspule eine Spannung mit großer Flankensteilheit in der SekundĂ€rwicklung.cite-ref-13[13] Die ZĂŒndspannung baut sich dadurch in nur einem Zehntel der Zeit auf, die unterbrechergesteuerte Anlagen benötigen, sodass StöreinflĂŒsse wie Feuchtigkeit, Schmutz an den Kerzenelektroden oder Temperaturschwankungen kaum noch Auswirkung auf die Funktionssicherheit haben. In Verbindung mit der großen ZĂŒndspannung von bis zu 30 kV wurden Kerzenlaufleistungen von ca. 20 000 km erreicht, was fĂŒr kleine, hochbelastete Zweitaktmotoren recht viel ist. Ein kleiner Nachteil der Anlage war es, dass der per Abrissmarkierung am Polrad werksseitig markierte ZĂŒndzeitpunkt lediglich im Bereich um 3000/min genau stimmte, er verschob sich physikalisch bedingt bei niedrigen Drehzahlen geringfĂŒgig in Richtung FrĂŒh- und bei hohen Drehzahlen in Richtung SpĂ€tzĂŒndung – wĂŒnschenswert wĂ€re eigentlich ein Effekt in umgekehrter Weise. Erheblicher war der Nachteil, dass die in Kunststoff vergossenen Bauteile im Falle eines Defekts nicht repariert werden konnten und Neuteile verglichen mit einem Unterbrecher teuer waren. Außerdem lagen an Teilen, die Ladespannung fĂŒhrten, bis zu 400 Volt Wechselspannung an, was das Risiko von Verletzungen durch StromschlĂ€ge vergrĂ¶ĂŸerte (jedoch nur bei unsachgemĂ€ĂŸer Handhabung). Die Scheinwerferleistung stieg auf 35/35 W.

Die ĂŒbrige elektrische Ausstattung war schon bei den VorgĂ€ngertypen Star und Habicht recht umfangreich. Eine Verbesserung stellte die Vierleuchten-Blinkanlage dar (außer S50 N), die von der Batterie mit Strom versorgt wurde. Davon abgesehen speiste die Batterie noch das Standlicht (sofern vorhanden).

Im Übrigen wurde darauf hingewiesen, dass fĂŒr die Simson S 50 eigentlich eine ZĂŒndkerze mit dem WĂ€rmewert 225 (Marke Isolator) ausreicht, Vorentflammungen konnten auch hier mit etwa 99 Prozent Wahrscheinlichkeit verhindert werden. Beim offiziell empfohlenen WĂ€rmewert 260 konnte es je nach Betriebssituation durchaus zum Verrußen der ZĂŒndkerze kommen.cite-ref-14[14]

Einstellung der ZĂŒndung

Zur Einstellung der UnterbrecherzĂŒndung sind drei Maße in Einklang zu bringen: Der Unterbrecher-Kontaktabstand bei grĂ¶ĂŸter Nockenerhebung auf 0,35–0,45 mm, der Öffnungsbeginn des Unterbrechers (S 50: 1,5 mm vor oberem Totpunkt der Kolbenstellung), sowie ein bestimmtes Abrissmaß (Beispiel S 50 B1: 5–8 mm zwischen in Drehrichtung zweiter Kante des PrimĂ€rspulenpolschuhs und Kante des Magneteinsatzes im Polrad)cite-ref-repanleitung79-15-0[15] bei Öffnungsbeginn des Unterbrechers. Die Herausforderung besteht darin, dass diese drei Maße nicht unabhĂ€ngig voneinander einstellbar sind. Sie mĂŒssen durch wiederholtes Nachjustieren der beiden Einstellmöglichkeiten (Stellung Unterbrecherhebel zur Kurbelwelle und Position der Grundplatte) in Einklang gebracht werden. Als Vorgehensweise wurde empfohlen, mit der Einstellung des Kontaktabstands des Unterbrechers zu beginnen, danach die Abrissstellung zu kontrollieren und durch Verstellen des Unterbrechers bei Bedarf nachzustellen, und erst danach durch Verdrehen der Grundplatte den ZĂŒndzeitpunkt einzustellen.cite-ref-16[16] Dies ist am S 50 verglichen zu bisherigen Simson-Mokicks einfacher, weil die Spannpratzen der Grundplatte ohne Demontage des Polrads erreichbar sind.cite-ref-kft74-3-4[3] Der maximale Kontaktabstand lĂ€sst sich aufgrund des kurzen Hebelarms zur Einstellnase und der Selbstverstellung beim Fixieren des Unterbrechers nur mĂŒhselig einstellen. BewĂ€hrt hat sich die Methode, bei grĂ¶ĂŸter Nockenerhebung und gelockertem Unterbrecher eine 0,6 mm-FĂŒhlerlehre zwischen die Kontakte zu schieben und so den Unterbrecher festzuschrauben. Zieht man die FĂŒhlerlehre dann heraus, ergibt sich meist der gewĂŒnschte Kontaktabstand von 0,4 mm. Auch der Öffnungsbeginn des Unterbrechers lĂ€sst sich nicht leicht bestimmen, weil aufgrund der MagnetzĂŒndung ein SpannungsmessgerĂ€t oder PrĂŒflampe nicht ohne weiteres dafĂŒr verwendet werden können. FĂŒr die Selbsthilfe wurde empfohlen, die Öffnung durch zwischen die Kontakte geschobenes Stanniol, Alufolie oder Zigarettenpapier von etwa 0,03 mm Dicke zu ermitteln, das sich zum Öffnungsbeginn gerade so herausziehen lĂ€sst.cite-ref-werner-17-0[17] Abschließend sind alle Maße nochmals zu kontrollieren und falls nötig innerhalb der zulĂ€ssigen Toleranzen nachzujustieren. Alternativ gab es auch die Empfehlung, zuerst mit dem Verdrehen der Grundplatte fĂŒr die Abrisseinstellung zu beginnen.cite-ref-werner-17-1[17] Diese Vorgehensweise kann aber die Einstellung des Unterbrechers erschweren. LĂ€sst sich die ZĂŒndung nicht korrekt einstellen, ist meist der Unterbrecher verschlissen. Werksseitig war fĂŒr die Simson-Mokicks eine Kontrolle der Unterbrecher-ZĂŒndung alle 4000 km und ein Schmieren des Filzes fĂŒr die Nockenlaufbahn alle 6000 km vorgesehen, um den Verschleiß des Unterbrecherhebels zu verringern.cite-ref-18[18]

Ab 1977 waren leicht ablesbare Markierungen an Polrad, Grundplatte und MotorgehĂ€use angebracht, deren Übereinstimmung den (theoretisch!) korrekten ZĂŒndzeitpunkt und richtigen Abriss anzeigen. Diese Markierungen dienen jedoch nur als Orientierungshilfe und entbehren nicht der Einstellung von Unterbrecher und Grundplatte im Rahmen der zulĂ€ssigen Toleranzen, nur dann stimmen Abriss und ZĂŒndzeitpunkt auch in der Praxis. Die Markierungen erleichtern in jedem Fall die Einstellarbeiten, weil eine Messuhr zur Ermittlung der Kolbenstellung im ZĂŒndzeitpunkt und das Messen des Abrisses nicht mehr nötig sind.cite-ref-werner-17-2[17] Zu beachten ist, dass die werksseitigen Markierungen nur stimmen, solange keine baulichen Änderungen am Motor wie zum Beispiel Austausch der Kurbelwelle vorgenommen wurden.cite-ref-19[19]

Wesentlich einfacher ist die Einstellung der elektronischen ZĂŒndung des S 50 B2. Die in Übereinstimmung zu bringenden Abrissmarkierungen, die an diesem Modell auch 1976 schon angebracht waren, zeigen – da die Anlage verschleißfrei arbeitet – auch den tatsĂ€chlichen ZĂŒndzeitpunkt an, sodass sich weitere Einstellarbeiten erĂŒbrigen. Nur beim Einbau von Ersatzteilen (anderes Polrad, Steuerteil etc.) werden die Markierungen neu bestimmt, was eine dynamische ZĂŒndungseinstellung bei 3000/min mittels Stroboskop erforderlich macht. Außerdem muss die Einsatzdrehzahl am Regler im Steuerteil justiert werden (400–600/min). Wenn der Motor sich nur durch sehr krĂ€ftiges Ankicken starten lĂ€sst oder ZĂŒndstörungen bei hohen Drehzahlen auftreten, kann dies auf eine zu hohe bzw. zu niedrige Einsatzdrehzahl hindeuten.cite-ref-repanleitung79-15-1[15]

Ladestrom fĂŒr die Batterie

Da bei MagnetzĂŒndung der Ladestrom nicht ohne weiteres an den Ladezustand der Batterie angepasst werden kann, erhielt das S 50 zwei verschiedene AnschlĂŒsse fĂŒr Ladeströme von 1 und 2 Ampere. Beim ursprĂŒnglichen S 50 B war werksseitig der 1-A-Ladestrom angeschlossen, bei allen darauffolgenden Modellen (außer beim S 50 N) hingegen das Kabel fĂŒr 2-A-Ladestrom. Bei intensiver Stadtfahrt wĂ€re fĂŒr eine ausgeglichene Energiebilanz mit der Vierleuchten-Blinkanlage allerdings ein 2,9-Ampere-Ladestrom erforderlich, der jedoch die thermische Belastungsgrenze ĂŒberschritten hĂ€tte. Wird das S 50 viel in dichtem Stadtverkehr gefahren, wird daher auch in technisch einwandfreiem Zustand ein regelmĂ€ĂŸiges Nachladen der Batterie erforderlich. Umgekehrt kann es mit 2-A-Ladestrom bei vorwiegend Landstraßenfahrt zur starken Überladung der Batterie kommen, die ihre Lebensdauer auf 30 % absinken lassen kann und den Wasserverbrauch erhöht. Deshalb sollte bei seltenerem Benutzen der Blinkanlage bzw. Standlicht auf den 1-A-Ladestrom umgesteckt werden.cite-ref-20[20] Zu beachten ist ferner, dass der Ladekreis auch das Bremslicht versorgt, so dass bei betĂ€tigter Fußbremse oder auch bei einem falsch eingestellten Bremslichtkontakt (Dauerbremslicht) kein Ladestrom durch die Batterie fließt.

Weitere Merkmale

Durch diverse Anbauteile, wie etwa einer Knieschutzdecke, Beinschild, rechter RĂŒckspiegel, SeitengepĂ€cktrĂ€ger und KoffertrĂ€ger (zur Montage der auch bei MZ verwendeten 26-Liter-Pneumant-Koffer) konnte man den Gebrauchswert des Mokicks noch individuell steigern. Zudem konnte es mit einer AnhĂ€ngerkupplung und – steckdose ausgestattet werden.

Trotz der insgesamt sehr ausgereiften Konstruktion gab es auch am S 50 Schwachstellen: Die bei stark eingeschlagener Lenkung auf Biegung beanspruchte Tachowelle brach hĂ€ufig, beim vollstĂ€ndigen Einfedern der Teleskopgabel trat mitunter Öl aus, und das teure Steuerteil der elektronischen ZĂŒndung, das nicht repariert, sondern nur ersetzt werden konnte, neigte zum Totalausfall bei erhöhten Temperaturen.

Werksseitig war das S 50 grundsÀtzlich nicht mit Metallic-Lack oder verchromten Schutzblechen erhÀltlich, die Fahrzeuge wurden aber hÀufig von ihren Besitzern nachtrÀglich entsprechend aufgewertet.

Technische Daten

| KenngrĂ¶ĂŸe | Simson S 50 N | Simson S 50 B | Simson S 50 B1 | Simson S 50 B2 |
|---|---|---|---|---|
| Motor | Zweitakt-Ottomotor, fahrtwindgekĂŒhlt | Zweitakt-Ottomotor, fahrtwindgekĂŒhlt | Zweitakt-Ottomotor, fahrtwindgekĂŒhlt | Zweitakt-Ottomotor, fahrtwindgekĂŒhlt |
| Zylinder | 1 | 1 | 1 | 1 |
| Hubraum | 49,6 cmÂł (Bohrung 40 mm, Hub 39,5 mm) | 49,6 cmÂł (Bohrung 40 mm, Hub 39,5 mm) | 49,6 cmÂł (Bohrung 40 mm, Hub 39,5 mm) | 49,6 cmÂł (Bohrung 40 mm, Hub 39,5 mm) |
| Drehmoment | 5,0 Nm bei 4800/min | 5,0 Nm bei 4800/min | 5,0 Nm bei 4800/min | 5,0 Nm bei 4800/min |
| Leistung | 2,65 kW (3,6 PS) bei 5500/min | 2,65 kW (3,6 PS) bei 5500/min | 2,65 kW (3,6 PS) bei 5500/min | 2,65 kW (3,6 PS) bei 5500/min |
| Verdichtung | 9,5 : 1 | 9,5 : 1 | 9,5 : 1 | 9,5 : 1 |
| GetriebegĂ€nge | 3, Klauenschaltung per Fuß | 3, Klauenschaltung per Fuß | 3, Klauenschaltung per Fuß | 3, Klauenschaltung per Fuß |
| ZĂŒndung | SchwunglichtmagnetzĂŒndung | SchwunglichtmagnetzĂŒndung | SchwunglichtprimĂ€rzĂŒndung | SchwunglichtelektronikzĂŒndung |
| ZĂŒndspule | 6 V, innenliegend | 6 V, innenliegend | 12 V, außenliegend | 6 V, außenliegend |
| Scheinwerfer | 15 W; 6 V | 15 W; 6 V | 25 W; 6 V | 35 W; 6 V |
| Bremsen | Simplex-Trommelbremse, Durchmesser 125 mm, vorn und hinten | Simplex-Trommelbremse, Durchmesser 125 mm, vorn und hinten | Simplex-Trommelbremse, Durchmesser 125 mm, vorn und hinten | Simplex-Trommelbremse, Durchmesser 125 mm, vorn und hinten |
| Kraftstoff | Zweitaktgemisch 1:50 (Vergaserkraftstoff ROZ 88) | Zweitaktgemisch 1:50 (Vergaserkraftstoff ROZ 88) | Zweitaktgemisch 1:50 (Vergaserkraftstoff ROZ 88) | Zweitaktgemisch 1:50 (Vergaserkraftstoff ROZ 88) |
| Verbrauch je 100 km | 2,5 l (bei 60 km/h) | 2,5 l (bei 60 km/h) | 2,5 l (bei 60 km/h) | 2,5 l (bei 60 km/h) |
| Tankinhalt | 9,5 l (ab 1978 8,7 l) | 9,5 l (ab 1978 8,7 l) | 9,5 l (ab 1978 8,7 l) | 9,5 l (ab 1978 8,7 l) |
| Leergewicht | 75 kg | 78,5 kg | 78,5 kg | 78,5 kg |
| zulÀssiges Gesamtgewicht | 230 kg | 230 kg | 230 kg | 230 kg |
| SitzplÀtze | 2 | 2 | 2 | 2 |
| Reifen | 2,75 × 16 | 2,75 × 16 | 2,75 × 16 | 2,75 × 16 |
| ZulÀssige Höchstgeschwindigkeit | 60 km/h (40 km/h mit AnhÀnger) | 60 km/h (40 km/h mit AnhÀnger) | 60 km/h (40 km/h mit AnhÀnger) | 60 km/h (40 km/h mit AnhÀnger) |
| Sonstiges | ohne ZĂŒndschloss, Bleiakku und Blinkanlage | mit ZĂŒndschloss, Bleiakku und Blinkanlage | mit ZĂŒndschloss, Bleiakku und Blinkanlage | mit ZĂŒndschloss, Bleiakku und Blinkanlage, stĂ€rkerer Lichtmaschine und ElektronikzĂŒndung |
| StĂŒckzahl gebaut | 86.300 | 81.400 | 287.400 | 125.000 |
| Bauzeit | 1975–1980 | 1975–1976 | 1976–1980 | 1976–1980 |
| Neupreis ( M ) | 1200 | 1510 | 1510 | 1680 |

Testberichte

Die KFT hob als technisch bedeutsame Verbesserung die elastische MotoraufhĂ€ngung hervor – Vibrationen an Lenker, Fußrasten, Sitzbank und RĂŒckspiegel gehörten damit der Vergangenheit an. Die RichtungsstabilitĂ€t habe sich verglichen mit Star und Habicht bedeutend verbessert, auch die verĂ€nderte Sitzposition wurde gelobt. Den Ă€ußeren Eindruck betreffend wurde das sportlich-leichte Aussehen begrĂŒĂŸt. Die Eigenschaften des Motors wurden sehr gelobt: Trotz des 3-Gang-Getriebes lag die Beschleunigungszeit 0-60 km/h mit 18,5 s wesentlich besser als beim Habicht (24 s) und der Durchschnittsverbrauch mit 2,5 l/100 km um 0,5 l niedriger, auch die GerĂ€uschentwicklung war geringer. Die gestoppte Höchstgeschwindigkeit mit geducktem Fahrer lag unverĂ€ndert bei 63 km/h. Doch es gab auch Kritik am neuen Mokick: Der bauchige Scheinwerfer sei unzeitgemĂ€ĂŸ und das Licht zu schwach, und der Freiraum zwischen Tank und Motor sei gestalterisch nicht bewĂ€ltigt worden.cite-ref-kfttest75-21-0[21] Diese MĂ€ngel wurden spĂ€ter im Zuge der Modellpflege des S 50 bzw. am S 51 beseitigt. Wie so oft wurde noch die unzureichende Haftung der Pneumant-Reifen mit harter Gummimischung kritisiert, Hintergrund war das Ziel möglichst großer Reifenlaufleistungen.

Das Nullserienfahrzeug wurde von der KFT einer Langstreckenbeurteilung ĂŒber 10 000 km unterzogen, wobei auch zwei Winter hindurch gefahren und das Mokick im Freien abgestellt wurde. Die aufgetretenen MĂ€ngel betrafen vorwiegend die Elektrik an Teilen, die in der Serienfertigung inzwischen verbessert wurden. Insgesamt wurden im Testzeitraum 4 außerplanmĂ€ĂŸige Werkstattaufenthalte und 8 Unterwegs-Reparaturen veranlasst, wobei insgesamt 7 Defekte an funktionswichtigen Teilen auftraten. Als nicht zu behebender Mangel wurde die zu geringe Helligkeit der Beleuchtungskomponenten insgesamt angemerkt. Triebwerk, Fahrwerk und Optik zeigten sich nach dem Test ansonsten in einwandfreiem Zustand. Der Kraftstoffverbrauch lag im Gesamtzeitraum mit 2,5 l/100 km erheblich gĂŒnstiger als bei den VorgĂ€ngermodellen, zusammen mit dem auf 1:50 verringerten Ölanteil im Benzin ergab sich daraus auch ein Beitrag zum Umweltschutz.cite-ref-22[22]

Beim Test des Modells S 50 B2 electronic bestĂ€tigte sich der positive Eindruck. ZĂŒndaussetzer und KerzenbrĂŒcken traten an diesem Modell ĂŒberhaupt nicht mehr auf, und das Startverhalten war auch bei schlechter Witterung ausgezeichnet.cite-ref-23[23]

Ein Belastungstest der S 50 B2 ĂŒber 10.000 km hinweg erfolgte einschließlich einer Fahrt nach Bulgarien und zurĂŒck, unter Ausreizung der zulĂ€ssigen Gesamtmasse. Die elektronische ZĂŒndung erwies sich als absolut zuverlĂ€ssig und hatte eine wesentlich lĂ€ngere Lebensdauer der ZĂŒndkerze zufolge, diese war auch am Ende des Testzeitraums noch in Ordnung. Auch die BremsbelĂ€ge waren am Ende des Tests kaum abgenutzt und sogar die Reifen mussten nicht gewechselt werden. Verschleißbedingte MĂ€ngel gab es lediglich an der wiederholt undicht gewordenen Telegabel. Außerdem trat nach gut 9000 km ein ZĂŒndspulendefekt auf, und durch starken Regen geriet einmal Wasser in den Vergaser. Am Testfahrzeug gab es außerdem zwei FertigungsmĂ€ngel: Zum einen war die hintere Bremstrommel unrund. Zum anderen fĂŒhrte ein Montagefehler der Kurbelwelle zu einem Lagerschaden bereits nach 96 km, auch die Wellendichtringe mussten gewechselt werden. Dennoch traten insgesamt nur 5 Defekte an funktionswichtigen Teilen auf. Auch der gemessene Kraftstoffverbrauch lag mit 2,4 l/100 km so niedrig wie noch nie. Prinzipielle Kritik betraf die verbesserungsbedĂŒrftige Schaltbarkeit des Getriebes und die etwas zu weiche Federung vorn. Ein störanfĂ€lliges Tachometer und Reifen mit schlechter Nasshaftung waren Dinge, die schon seit jeher Gegenstand der Kritik an den Simson-Mokicks waren und erneut am S 50 beanstandet werden mussten.cite-ref-24[24]

Literatur

‱ Erhard Werner: Ich fahre ein Kleinkraftrad. 6., neu erarb. Auflage. Transpress – Verlag, Berlin 1982, DNB 203460928.
‱ Reparaturanleitung fĂŒr KleinkraftrĂ€der der Typenreihen S 50, KR 51, SR 4. 2. Auflage. Fachbuchverlag Leipzig, 1977, DNB 208561854. (Redaktionsschluß: 15. Dezember 1976)

Weblinks

Commons

: Simson S50

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

‱ S50 – Schwalben-Welt Internetseite mit technischen Daten, Einsteigertipps und Anleitungen zur S 50

Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ Im Blickpunkt: Formgestaltung im Kraftfahrzeugbau der DDR. In: Kraftfahrzeugtechnik 10/1979, S. 314–315.
cite-note-kft75messenbericht-22. ↑ Weiterentwicklungen aus Suhl. In: Kraftfahrzeugtechnik 9/1975, S. 267–268.
cite-note-kft74-33. ↑ Neuentwicklung aus Suhl: MOKICK S 50. In: Kraftfahrzeugtechnik 9/1974, S. 267–270; 289.
cite-note-44. ↑ GUTES DESIGN DDR 1978. In: form+zweck, 10. Jahrgang, Heft 5/1978, urn:nbn:de:bsz:14-db-id416501729-197800502, S. 2–3.
cite-note-55. ↑ 30 Jahre SED – dem IX. Parteitag entgegen. In: Kraftfahrzeugtechnik 5/1976, S. 133–135.
cite-note-66. ↑ Mokick Simson S 50 Modell 1978. In: Kraftfahrzeugtechnik 2/1978, S. 52–53.
cite-note-kftnov79-77. ↑ Technik-Dienst. In: Kraftfahrzeugtechnik 11/1979, S. 355.
cite-note-88. ↑ Kraftfahrzeuge auf der Leipziger Herbstmesse 1974. In: Kraftfahrzeugtechnik 10/1974, S. 318–321.
cite-note-ichfahrekleinkraftrad86-99. ↑ Erhard Werner: Ich fahre ein Kleinkraftrad. Transpress Verlag, Berlin 1986, ISBN 3-344-00004-7.
cite-note-1010. ↑ Eine neue Variante des Mokick S 50: Simson S 50 B2 „electronic“. In: Kraftfahrzeugtechnik 9/1976, S. 269–270.
cite-note-1111. ↑ 30 Jahre Deutsche Demokratische Republik − 30 Jahre erfolgreiche Entwicklung des Automobilbaus in der DDR. In: Kraftfahrzeugtechnik 10/1979, S. 298–302.
cite-note-1212. ↑ Optimierung des Kennlinienverlaufs an Einzylinder-Zweitaktmotoren kleinen Hubvolumens. In: Kraftfahrzeugtechnik 9/1975, S. 269–271.
cite-note-1313. ↑ Kontaktlose MagnetzĂŒndung. In: Kraftfahrzeugtechnik 9/1976, S. 270–271.
cite-note-1414. ↑ Ermittlung des ZĂŒndkerzenwĂ€rmewertbedarfs fĂŒr Ottomotoren. In: Kraftfahrzeugtechnik. 5/1982, S. 148–150.
cite-note-repanleitung79-1515. ↑ Autorenkollektiv des Simson-Werkes: Reparaturanleitung fĂŒr Simson-KleinkraftrĂ€der der Typenreihen S 50, KR 51, SR 4. 4. Auflage. Fachbuchverlag Leipzig, Leipzig 1979, DNB 208799400.
cite-note-1616. ↑ ZĂŒndeinstellung nach Abriß. In: Kraftfahrzeugtechnik 6/1977, S. 195.
cite-note-werner-1717. ↑ Erhard Werner: Ich fahre ein Kleinkraftrad. 7. Auflage. Transpress Verlag, Berlin 1986.
cite-note-1818. ↑ Hans Kadner: Ich fahre ein Kleinkraftrad. 3. Auflage. Transpress Verlag, Berlin 1976.
cite-note-1919. ↑ Autorenkollektiv des Simson-Werkes: Reparaturanleitung fĂŒr Simson-KleinkraftrĂ€der der Typenreihe S 51 und KR 51/2. 2. Auflage. Fachbuchverlag Leipzig, Leipzig 1983.
cite-note-2020. ↑ Batterieladung bei Zweiradfahrzeugen mit MagnetzĂŒndung. In: Kraftfahrzeugtechnik 6/19777, S. 191–192.
cite-note-kfttest75-2121. ↑ KFT beurteilt: SIMSON S 50 B. In: Kraftfahrzeugtechnik 3/1975, S. 84–86.
cite-note-2222. ↑ KFT Langstreckenbeurteilung 10 000 km mit dem Simson S 50 B. In: Kraftfahrzeugtechnik 6/1977, S. 188–190.
cite-note-2323. ↑ KFT fuhr Simson S 50 B 2 electronic. In: Kraftfahrzeugtechnik. 3/1979, S. 88–89.
cite-note-2424. ↑ KFT Langstreckenbeurteilung 10 000 km mit dem Simson S 50 B2 electronic. In: Kraftfahrzeugtechnik 9/1979, S. 280–281 und 10/1979, S. 322–323.